Allerdings ist die Kreuzotter hier nicht das
häufigste Reptil. Wir haben viel öfter die Bergeidechse (Zootoca
vivipara) feststellen können:
Am Nachmittag waren wir in einem zweiten
Gebiet in der Gegend unterwegs und wie beiläufig fragte mich Jürgen Kühnis,
ob ich schon einmal einen Kommentkampf zwischen Kreuzottermännchen
hätte beobachten können. Nein, dieses Glück hatte ich bis dahin noch nie
gehabt, Jürgen auch nicht. Aber eine halbe Stunde später entdeckten wir an
einer Stelle mit dürrem Altgras in einer Geröllhalte zwei kämpfende
Männchen!
Blitzschnell hatten wir unsere Kameras in der
Hand, noch schneller aber liessen die beiden Männchen voneinander ab. Wir
sahen, wie sich ein Weibchen verkroch, dann tauchte mal ein Männchen mal da,
mal dort auf. Wir zählten fünf Männchen! Das Weibchen war aber weg und der
aufgekommene Wind schien den Männchen die Orientierung zu erschweren.
Wir verliessen den Platz, kehrten aber nach
einer halben Stunde wieder dorthin zurück. Es war nur noch ein einziges
Männchen zu sehen, dass sehr lebhaft nach dem Weibchen suchte. Erfolglos.
Schliesslich gaben wir auf, Jürgen war schon auf dem angrenzenden Schneefeld
auf dem Rückweg und ich wollte nur noch die Stelle fotografieren, wo wir die
vielen Männchen beobachtet hatten. Als ich die Kamera zur Hand nahm - da
waren sie plötzlich wieder da: Zwei Männchen kämpften miteinander!
Ich pfiff und winkte Jürgen zurück und wir
waren beide überwältigt, was für ein Schauspiel sich uns da bot.
Wir fotografierten, schauten und
fotografierten wieder. Und immer wieder vernahm ich Jürgens Kommentar: "Ich
glaube es nicht, ich fasse es nicht!"
Ich bin schon oft aufgestellt und zufrieden
von einer Reptiliensuchtour nach Hause zurückgekehrt. Dieses Erlebnis mit
den kämpfenden Kreuzottermännchen zähle ich aber zu den ganz grossen
Höhepunkten! Schön war's auch, dass ich dieses Ereignis mit einem anderen
Schlangenfachmann zusammen erleben und mit einem kühlen Bier im
Bergrestaurant entsprechend feiern konnte!
Am Ende dieses tollen Feldtages habe ich
Jürgen Kühnis zu einem Gegenbesuch in den Kanton Graubünden
eingeladen. Auf diesen Tag freue ich mich. Mein Problem ist nur, dass mit
der Bilanz unseres gemeinsamen Tages in seinem Kanton die Messlatte nun sehr
hoch liegt...