10. August 2000: Das seltenste Reptil unseres Kantons - die Würfelnatter

Von fast allen Reptilien Graubündens - zwölf an der Zahl - besass ich schon seit ein paar Jahren eigene, von Bündner Tieren stammende Fotos. Nur eine Reptilienart fehlte noch: die Würfelnatter (Natrix tessellata), eine nahe Verwandte der Ringelnatter (Natrix natrix). Diese Natternart kommt in der Schweiz natürlicherweise nur im Tessin und in Graubünden im untersten Misox und im untersten Südteil des Puschlavs vor. Sie ist somit das seltenste Reptil des Kantons Graubünden. Nur 10 von den bald 4000 Beobachtungen in der Reptiliendatenbank Graubünden betreffen die Würfelnatter.

Als ich mich mit einem Freund für eine Woche ins an Italien grenzende Puschlav begab, hatten wir unsere Fischerausrüstung dabei: Den Puschlaver Bachforellen sollte es an den Kragen gehen. Doch im Hinterkopf hatte ich auch die Reptilien im untersten Puschlav. 

So stand ich dann an diesem Donnerstagmorgen in Campocologno schon früh mit der Fischerrute am Poschiavino und kämpfte mich dem dicht mit Bäumen, Sträuchern und Beerenstauden bewachsenen Bachufer entlang talaufwärts. Und ich hatte Glück: Schon bald einmal hatte ich drei Bachforellen in meiner Trinkette. Als das Pflanzendickicht dann zu dicht wurde, kletterte und kroch ich durch die Beerenstauden den Uferhang hinauf auf einen Feldweg. 

Schon am Bach unten hatte ich mit meinen Augen nicht nur das Wasser sondern immer auch das vor mir liegende Ufergebiet abgesucht, hatte dabei jedoch keine Würfelnatter entdeckt. Himmel, da mussten sie doch sein, die Wetter- und Temperaturbedingungen waren doch ideal! Da fiel mir auf der Bergseite des Feldweges am Waldrand eine kleine Geröllhalde auf, ideal für - Aspisvipern.... Und tatsächlich - da war eine Schlange! Ich sah nur etwa 7 cm des grauen Reptils: War das eine nun eine Aspisviper oder eine Würfelnatter? Ganz sachte auftretend zog ich mich zurück und deponierte alles, was ich fürs Fischen mitschleppte. Wie ich wieder am Fusse der Geröllhalde stand, war von der Schlange nichts mehr zu sehen. Vorsichtig hob ich einen grösseren flachen Stein an - da war sie, die Schlange: eine Würfelnatter! 

Schon hatte ich das Würfelnattermännchen gepackt, als ich die hintere Hälfte einer zweiten, flüchtenden Schlange entdeckte, ich packte deren Schwanz und stellte schnell fest, dass es ein Würfelnatterweibchen war. Behutsam entfernte ich noch ein paar Steine und stand bald einmal mit einem Würfelnatterpärchen in den Händen da! Man kann sich meine grosse Freude wohl vorstellen: Endlich hatte ich gefunden, wonach ich so lange gesucht hatte. 

 

 


Das Würfelnattermännchen hat sich aufgeblasen: Mit diesem Imponiergehabe macht es sich grösser und will so Feinde abschrecken. Auch der Kopf wird zum Dreieck abgeflacht, um so eine Viper, eine Giftschlange, nachzuahmen. Doch die runde Pupille verrät dem Betrachter die harmlose Natter. Dies aber nur dann, wenn er in der Natur das Glück und die Neugier hat, eine ruhende, sich sonnende Schlange aus der Nähe zu betrachten.

 

 


Porträt des Würfelnatterweibchens


 Ort: Zalende bei Brusio (Puschlav), 570 m ü. M.

Zeit: 09:30

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